Was gehört in den GAV?

Kein Verzicht ohne Abkommen

Gemäss Artikel 73a der revidierten Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1) muss ein GAV zwingend folgende Elemente enthalten:

  • Er muss klar festhalten, welche Arbeitnehmergruppen ein Bruttojahreseinkommen von mindestens 120'000 Franken verdienen und über eine grosse Zeitautonomie verfügen und deshalb von der Erfassungspflicht befreit werden können. Dabei geht es um Gruppen, die ihre Arbeit weitgehend selber organisieren und ausführen und mehr als die Hälfte der wöchentlichen Arbeitszeit selbst bestimmen können. Es ist wichtig, dass der GAV diese Autonomie klar und präzis beschreibt.
  • Er muss Massnahmen zur Vermeidung von psychosozialen Risiken festlegen. Das ist notwendig, um gesundheitlichen Risiken vorzubeugen, die sich aus dem Verzicht auf die Arbeitszeiterfassung ergeben. Dazu zählen Risiken wie Überarbeitung, Verzicht auf Pausen, fehlende Kompensation von Mehrarbeit, Nacht- und Sonntagsarbeit, ständige Erreichbarkeit über mobile Verbindungen usw. Das bedingt, dass die psychosozialen Risiken am Arbeitsplatz und die zu ergreifenden Gesundheitsmassnahmen vor Abschluss eines GAV analysiert werden. Dazu sollten die Sozialpartner die Meinung von Fachpersonen beispielweise der Arbeitsmedizin und -hygiene einholen. Zudem sollten sie die Wirksamkeit der Massnahmen periodisch überprüfen.

Empfehlungen der Gewerkschaften

Die Unia empfiehlt, in einem GAV insbesondere auch den psychosozialen Risiken und arbeitsplatzbedingten Besonderheiten Rechnung zu tragen. Dazu gehört:

  • eine umfassende Information und Sensibilisierung der Arbeitnehmenden über mögliche Risiken
  • eine spezielle Regelung zur Einschränkung der ständigen Erreichbarkeit der Arbeitnehmenden (Handies, E-Mail etc.)
  • eine spezielle Regelung der Heimarbeit (Homeoffice)
  • regelmässige Mitarbeiterumfragen
  • die Einrichtung einer internen, unabhängigen Anlaufstelle, welche die Arbeitnehmenden bei allen Fragen rund um die Arbeitszeit unterstützt (gemäss ArGV 1 ist das eine Pflicht).

Diese Liste ist nicht abschliessend und je nach Unternehmens- oder Branchenprofil zu ergänzen.